Andachtsbilder

Meine Intentionen zu den Bildpaaren basieren auf dem Sinn der Andachtsbilder des 14./15.Jahrhunderts. Andachtsbilder boten im Gegensatz zum Kultbild des öffentlichen Raumes die Möglichkeit der privaten Nutzung. Andachtsbilder waren zwei Tafeln, die mit Scharnieren verbunden waren und so zusammengeklappt transportiert und zur Betrachtung überall aufgestellt werden konnten. Also so wie wir heute unsere Laptops aufklappen und unser Andachtsbild als Bildschirmschoner und Tastatur, auf unserem digitalen Andachtsapparat anschauen können.

Das berühmteste Andachtsbild ist die PIETA, ein aus der Beweinungsszene Christi heraus gelöstes Motiv. Andachtsbilder vermittelten verborgene Wirklichkeiten, wie den Glauben an Gott, Spirituelle Erfahrungen, Wunder, Seele, und gleichzeitig deren menschliche Greifbarkeit durch Symbole. Die Assoziation zu verborgenen Wirklichkeiten in fotografischen Bildern ist beabsichtigt.

Fotografien verlangen aus den bekannten technischen Veränderungen heute mehr Glauben denn je und scheinen daher mehr darauf abzuzielen, uns zu beeindrucken als zu überzeugen.Die Imagination fotografischer Bilder scheint sich aus den bekannten technischen Veränderungen unter einen virtuellen Schleier zu begeben, der die Unterscheidung zwischen dem Visuellen – (Sinnenreiz) und dem Bild als Symbol deutlich erschwert.

Meine Andachtsbilder visualisieren den Versuch einer fotografischen Annäherung an die Ursprünglichkeit der Intuition, um das zu Erfahren was ich mit dem Verstand nicht kontrollieren kann. Dabei enthüllt sich ein oder das Paradox in der Fotografie: Dass Bilder im Tiefsten das verbergen, was sie vorgeben zu zeigen.

In den Andachtsbildern entsteht ein Zeitempfinden, dass über kontemplative Erfahrungen, – Stille erzeugen kann. Einer Stille, die wie ein Filter auch im Sucher meiner Kamera spürbar wird. So entstehen immer wieder intuitive, fast absichtlose Bilder auch dann, wenn sich Bilder und Gedanken nicht so einfach abschalten lassen. Das Bild wird zuerst erkannt durch das Sein – und dann durch Sehen.

Die Erfahrung im Moment der Entstehung und Betrachtung der Bilder, – ist vergleichbar dem Festhalten einer Welle im Ozean. Bildlich gesprochen: Ich möchte gerne die Welle erkennen auf welcher ich im Ozean treibe, – dabei bin ich die Welle selbst.