Schönheit, das Verborgene des Schrecklichen

Vorstellungen von Schönheit und die Sehnsucht nach Schönheit beflügeln sich gegenseitig. Sie verbinden sich dabei im gleichen Schicksal. Zerbrechlich und vergänglich zu sein. Wahrhaftige Empfindungen von Schönheit können Lebenssinn bedeuten und somit auch Wirklichkeit, in der die Geheimnisse des Schönen lebendig bleiben durch ihre Hoffnung auf stetige Erneuerung. In der Schönheit ist das Schreckliche genauso verborgen wie im Schrecklichen die Schönheit. Denn in beiden offenbart sich das, was leben will, und das, was sterben muss. Tröstungen der Schönheit werden zur aussöhnenden Kraft, dieses Leben zu bestehen, und dort, wo sich Schönheit mit Anmut paart, verliert sie ihren Selbstzweck und berührt die Herzen der Menschen. Zeigt sich Schönheit jedoch als reiner Selbstzweck, kann das kleinste Detail stören. Schon geringste Abweichungen eines offensichtlich angestrebten Ideals werden zum Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Schönheit verliert ihr Leuchten, wenn sie vermarktet wird, und zeigt sich hier als Attraktivität in einem beliebigen Kreislauf morbider Anbiederung. Hier wird sie mit dem Blattgold der Geschmacksache auf Bühnen der Mittelmäßigkeit zur Schau gestellt und feiert dort ihre Nähe zum Vulgären.

Empfindungen von Schönheit, auch wenn sogleich wieder verschwinden, können ihre Spuren hinterlassen. Weil nur das als hässlich erscheinen kann, was wir emotional ablehnen, auch dann, wenn es in ästhetischer Gestaltung daherkommt. Eine berühmte Schauspielerin antwortete auf die Frage, ob sie sich schön finde:  «Ich fühle mich so schön, wie ich angeschaut werde.» Ergo: Emotionale Zuwendungen fördern das Empfinden von Schönheit. Profaner und gleichzeitig wesentlich komplexer geht es in der Umgangssprache zu, in der die «Schönheit im Auge des Betrachters» vermutet wird. Was auch besagt, dass wir nicht mit den Augen, sondern mit dem Geist sehen. Hier entsteht das Einverständnis mit dem, was gesehen und erkannt wird. So erreichen als Schönheit empfundene Wahrnehmungen, mit denen wir von innen heraus einverstanden sind, unsere Wirklichkeit. In diesen Momenten kann das Gefühl entstehen, in einer Ewigkeit zu leben, in der die Zeit für eine berührende Empfindung von Schönheit stillsteht