Spiritualität – Andre Tarkowskij

Fromme orthodoxe Christen verstehen Ikonen als Fenster, die einen Ausblick in die Spiritualität ermöglichen. Sie betrachten sie als Schnittstelle zwischen den verschiedenen Ebenen andächtiger und geistiger Wirklichkeiten. Meine Begegnungen mit Andre Tarkowskij begannen mit seinem Film über den Ikonenmaler „Andrei Rubljow“. Ich war zutiefst beeindruckt und berührt von den spirituellen Bildern seiner Träume, Erinnerungen und fiktiven Wirklichkeiten. Seine Filme öffnen mir imaginäre Fenster, durch ich in Seelenräume schauen kann. Deren archaische Ursprünge entzünden ein Fegefeuer, das meine vorprogrammierten Wirklichkeiten in Asche verwandelt.Meine frühen Fragen an das Leben drehten sich darum, wie ich damit leben kann, ohne vorbestimmten Sinn oder Zweck einem gleichgültigen Kosmos ausgesetzt zu sein. Schon als sehr junger Mensch begann eine Suche nach etwas, das größer war als alles, was mir bis dahin als wahr und richtig angeboten wurde. Daraus entwickelte sich ein Lebensgefühl, in dessen Zentrum ein eigener geistiger Weg entstand. Nicht konkret fassbar. Nicht deutlich sichtbar. In Momenten des Stillstands gefiel es mir, diesen Zwischenraum mit dem Wort Seele zu benennen. Im wahrsten Sinne schrittweise wurde mir deutlich, dass Spiritualität und Seele nichts mit Besitz oder Glauben zu tun haben. Im Gegenteil. Spiritualität wurde in mir lebendig durch bewegende Begegnungen und deren Auswirkungen. Durch Öffnung verborgener Bewusstseinsräume, in denen ich entscheiden kann, ob ich mich dem Gedankenstrom in meinem Kopf ausliefere oder nicht.

In der spirituellen Suche geht es mir um das Erkennen des Leuchtens innerhalb meines tiefen Gefühls für das eigene Sein. Ein Gefühl, das konkret spürbar wird in der Unterbrechung unaufhörlicher Gedankenschleifen, denen mein Denken ausgesetzt ist. Spirituelles Bewusstsein schafft Freiräume in vorgelebten und alltäglichen Denkstrukturen. Es entstehen offene Räume für eine eigenständige Art der Welterfahrungen, die sich außerhalb meiner alltäglichen Wirklichkeiten befinden. In den Begegnungen mit Tarkowskijs Filmen, wurde in mir das, was „sich sehnt“ mit dem, „was sucht“ poetisch verbunden.