Frucht und Baum

Symbol

Ein Aufkleber mit dem Satz “An der Frucht erkennt man den Baum” Mt 12,33 war über Jahre auf der Rückseite meiner Kamera fixiert. Damit wollte ich in meiner fotografischen Arbeit daran erinnert werden, dass jedes Foto mehr über mich, über den Fotografen aussagt als über das, was auf meinen Bildern zu sehen ist. Persönlich erlebte Fotos sind für mich wie Blätter eines Lebensbaumes, der mit der Arbeit, den Jahren immer dichter wurde, so als würden die angesammelten fotografischen Blätter meine Lebenszeit verdoppeln.
Besonders die Fotografien, mit denen Verdichtungen gegenwärtiger Vergangenheit intensiv nacherlebt und nachgestaltet werden können, vermitteln mir ein Gefühl, die Zeit aus bestimmten Lebenssituationen zweimal zu durchleben. In der Auswahl eines neuen Kontextes kann ich die Bilder wieder neu anschauen und auf einer anderen Ebene reflektieren.

Die Beziehung von Frucht und Baum beschreibt der Fotograf Cartier-Bresson so:
“Um der Welt einen Sinn zu geben, muss man sich einbezogen fühlen in das, was man durch seinen Kamerasucher sieht.” Dem Meister geht es hier um eine  Haltung, dass mit der Kamera eine Deutung über die Beschaffenheit des Menschen und der Welt möglich ist. Dem Baum ist es egal, wie seine Früchte schmecken oder aussehen. Nur wir sind es, die Erkenntnis wollen:
“An der Frucht erkennt man den Baum.”