Für Nikos Kazantzakis

Ich fürchte nichts
Ich erhoffe nichts
Ich bin frei

Inschrift auf dem Grabstein von Nikos Kazantzakis. Hier auf den Resten eines Venezianischen Walls ruht er seit einem halben Jahrhundert hoch über Heraklion. Vielleicht steht hinter diesem in Stein gemeißelten „Testament“ die einfache und klare Erfahrung: Das gegenwärtige Leben zu lieben und den Tod nicht zu fürchten. Eine Erfahrung, die für ein Leben ohne Rache, ohne Genesung, ohne Vollendung einsteht. Ein Leben, das in gewollter Sinnlosigkeit besser gelebt werden kann, als ein Leben in vergeblicher Sinnsuche.

Was lebendig bleibt findet sich in der Liebe. Was sich erneuert entsteht in der Leidenschaft. Was sich bewegt wird wirksam durch Auflehnung gegen die tägliche Gleichgültigkeit.

 

Drehmomente der Sehnsucht

„Reisen Sie mit Karoline zu den Sternen, und landen Sie mit Kasimir wieder auf der Erde, denn das Leben ist eine Achterbahn. Mal auf, mal ab. Rutschen Sie ins Glück auf dem Jahrmarkt der Gefühle! Hier ist das Leben bunt, hier fahren die Herzen Karussell.

„Man hat halt oft so eine Sehnsucht in sich – aber dann kehrt man zurück mit gebrochenen Flügeln – und das Leben geht weiter, als wäre man nie dabei gewesen.“

Baletttänzerin 81

Dieses Zitat von Ödön v. Horváth steht in meinem Tagebuch neben der Skizze eines Kettenkarussells. Auf den fliegenden Sitzen des Karussells drehen sich Glaube, Liebe, Hoffnung, Träume, Sehnsüchte, Ängste, Erinnerung um die Mittelachse. Die Mittelachse, der Antrieb des Karussells, gewinnt Energie aus dem gegenwärtigen Bewusstsein einer einzigen Wahrheit dieser Welt: Es ist der Moment, um den sich alles dreht.