Frucht und Baum

Symbol

Ein Aufkleber mit dem Satz “An der Frucht erkennt man den Baum” Mt 12,33 war über Jahre auf der Rückseite meiner Kamera fixiert. Damit wollte ich in meiner fotografischen Arbeit daran erinnert werden, dass jedes Foto mehr über mich, über den Fotografen aussagt als über das, was auf meinen Bildern zu sehen ist. Persönlich erlebte Fotos sind für mich wie Blätter eines Lebensbaumes, der mit der Arbeit, den Jahren immer dichter wurde, so als würden die angesammelten fotografischen Blätter meine Lebenszeit verdoppeln.
Besonders die Fotografien, mit denen Verdichtungen gegenwärtiger Vergangenheit intensiv nacherlebt und nachgestaltet werden können, vermitteln mir ein Gefühl, die Zeit aus bestimmten Lebenssituationen zweimal zu durchleben. In der Auswahl eines neuen Kontextes kann ich die Bilder wieder neu anschauen und auf einer anderen Ebene reflektieren.

Die Beziehung von Frucht und Baum beschreibt der Fotograf Cartier-Bresson so:
“Um der Welt einen Sinn zu geben, muss man sich einbezogen fühlen in das, was man durch seinen Kamerasucher sieht.” Dem Meister geht es hier um eine  Haltung, dass mit der Kamera eine Deutung über die Beschaffenheit des Menschen und der Welt möglich ist. Dem Baum ist es egal, wie seine Früchte schmecken oder aussehen. Nur wir sind es, die Erkenntnis wollen:
“An der Frucht erkennt man den Baum.”

Absurdes Theater in Absurdistan

Damit keine Missverständnisse aufkommen, sage ich es hier ganz ganz direkt: Von Anfang an fühlte ich mich als Darsteller der Fremdheit auf der Bühne des Vergänglichen. Wirklich interessiert hat mich mein Leben nicht. Meine wahre Begabung entdeckte ich früh. Die Kunst der Täuschung in der Flüchtigkeit der Gegenwart. Die Lebenshaltung, dass nichts auf dieser Welt von Bedeutung ist, gab Schutz und helle Leichtigkeit. Vielleicht ist es auch ein gutes Zeichen der Stärke, oder eines ehrlichen Charakters, dem Leben nicht allzu viel Bedeutung beizumessen. Ich wollte meine Sachen hier nur möglichst ordentlich machen und für mich und mein Umfeld möglichst freundlich gestalten. Ohne anderen Menschen zu schaden. Damit konnte ich aus der Defensive heraus ein offenes und aktives Leben führen. Ich werde auch weiterhin in diesem Spiel bleiben, dass Leben heißt und sich von Tag zu Tag selbst verzehrt. Meine Erinnerungen sind nur ein Versprechen auf Zeit.

Menschen

Der Sinn dieses Lebens wird sichtbar in meiner Erfahrung, das Leben nicht weniger wird. Auch nicht mehr. Sondern das Leben ist nur da wo es in diesem Moment ist. Ähnlich einem Schauspieler auf der Bühne, der seine Lieblingsrolle spielt. Es stört ihn nicht, dass die wenigen Zuschauer ihn nicht verstehen. Im Gegenteil. Er fühlte jetzt die Freiheit des Geistes. Bestätigt durch den Beifall seiner Einsamkeit. Eine Freiheit die ihm hilft, sein Spiel, seine Gegenwart zu lieben. Die Bühne, sein Leben, lässt ihn lebendig aus der Gegenwart verschwinden, bis eines Tages der Vorhang fällt.